Das nächste Ziel auf meiner Reise durch Tokio führte mich zum Tokyo Skytree. Von meinem Hotel in Asakusa ist es mit der Bahn ungefähr 45 Minuten bis zum Skytree. Bei meinem letzten Aufenthalt in Tokio war ich noch nicht dort gewesen, diesmal hatte ich mir aber vorgenommen, den höchsten freistehenden Rundfunkturm der Welt zu besuchen.
Mit seinen 634 Metern überragt der Tokyo Skytree nicht nur die Skyline von Tokio, sondern auch den Canton Tower in Guangzhou. Seit seiner Fertigstellung ist er der höchste freistehende Rundfunkturm der Welt und gleichzeitig eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt.
Als ich aus der U-Bahn kam, entdeckte ich zunächst ein Sizzler, ein amerikanisches Steakhouse-Restaurant mit einer ziemlich guten Salatbar. Da mein letzter Besuch in Denver schon über 10 Jahre her war, habe ich dort erst einmal etwas gegessen, bevor es weiter zum Skytree ging.
Der Fuß des Turms befindet sich direkt im Tokyo Skytree Town, einem großes Shoppingcenter mit Geschäften, Restaurants und weiteren Einrichtungen. Schon auf dem Weg dorthin merkt man, wie riesig der Skytree tatsächlich ist. Je näher man an das Fundament kommt, desto schwieriger wird es, überhaupt noch die Spitze des Turms vollständig im Blick zu behalten. Der Turm scheint einfach immer weiter nach oben zu wachsen.
Auch aus fotografischer Sicht fand ich den Skytree sehr interessant. Seine Konstruktion wirkt trotz der enormen Höhe erstaunlich elegant. Der Skytree ist dabei nicht einfach nur ein möglichst hoher Turm, sondern seine Konstruktion verbindet moderne Technik mit Elementen traditioneller japanischer Architektur. Der Fuß des Turms beginnt mit einem dreieckigen Grundriss, der sich nach oben hin zunehmend zu einer runden Form verändert. Dadurch entsteht die charakteristische schlanke Silhouette. Im Inneren befindet sich außerdem eine zentrale Betonsäule, die bis auf 375 Meter reicht und unter anderem zur Stabilität des Turms beiträgt. Insgesamt wiegt die Stahlkonstruktion rund 36.000 Tonnen, also ca. 63 voll beladene Airbus A380.
ch hatte mein Ticket für eine Zeit ungefähr eine Stunde vor Sonnenuntergang gebucht. Dadurch hatte ich noch etwas Zeit, um die Gegend rund um den Skytree zu erkunden.
Zunächst bin ich in Richtung Sumida gelaufen. Ich folgte den kleineren Kanälen und ging anschließend weiter zum Fluss Sumida. Danach bin ich einfach durch die Straßen geschlendert und habe nach interessanten Fotomotiven gesucht. Es war an diesem Tag allerdings extrem heiß. Zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit wurde jeder längere Aufenthalt in der Sonne ziemlich anstrengend.
Trotzdem fand ich einige schöne Perspektiven auf den Skytree. Gerade aus den kleineren Straßen rund um den Turm wirkt er teilweise noch beeindruckender, weil man die enorme Höhe durch die umliegenden Gebäude besonders gut wahrnimmt.
Anschließend bin ich noch mit der Bahn nach Akihabara gefahren. Tokio ist für mich als Fotograf natürlich auch wegen seiner unzähligen Kamerageschäfte interessant und Akihabara bietet davon einige (Lemon-sha Akihabara Store, Nisshin Camera, Akibaoo Camera, etc.). Bevor ich mich auf die Suche nach den Läden machte, wollte ich aber noch einen bestimmten Fotospot besuchen.
Es ging zur Hijiri Bridge. Den Spot hatte ich vorher im Internet gesehen. Von dort aus lassen sich mehrere Bahnstrecken fotografieren, die aus einem Tunnel über die Brücke kommen. Im Hintergrund beziehungsweise auf der rechten Seite befindet sich außerdem die Station. Dadurch entsteht eine ziemlich interessante Komposition aus Gleisen, Zügen, Architektur und der typischen dichten Bebauung Tokios.
Allerdings lag die gesamte Brücke mitten in der Sonne. Bei den Temperaturen war es dort wirklich kaum auszuhalten. Lange konnte man nicht stehen bleiben, aber für ein paar Fotos hat sich der Aufenthalt trotzdem gelohnt.
Danach ging es weiter durch Akihabara. Ich schaute mir noch zwei Kameraläden an und schlenderte durch die Straßen, bevor ich mich langsam wieder auf den Weg zum Skytree machte.
Zurück am Skytree angekommen lief alles erstaunlich unkompliziert. Ich musste nicht lange anstehen, es gab simple Taschenkontrollen, kein Vergleich zu Türmen in Amerika wo einem jedes große oder kleine Stativ und teils auch Getränke abgenommen worden ... .So konnte ich recht schnell mit dem Aufzug auf die erste Aussichtsplattform fahren.
Die Fahrt nach oben ist echt flott. Der Aufzug legt die Strecke bis zur Aussichtsplattform in ungefähr 50 Sekunden zurück. Man spürt den Druck auf jeden Fall auf den Ohren. Oben angekommen befindet man sich auf 350 Metern Höhe im sogenannten Tembo Deck. Dort gibt es mehrere Ebenen und einen nahezu vollständigen 360° Blick über Tokio. Die großen Fenster reichen über mehrere Meter Höhe und machen die Plattform auch zum Fotografieren sehr interessant da man nah ran kann udn somit keine Balken oder ähnliches im Bild hat.
Und dann steht man dort oben und blickt auf Tokio.
Der Blick ist schwer in Worte zu fassen. Die Stadt wirkt aus dieser Höhe fast wie eine riesige Fläche aus Beton, Glas und Straßen. Gleichzeitig erkennt man plötzlich spannende Orte, die einem vom Boden aus niemals auffallen würden. Ganze Stadtviertel ziehen sich bis zum Horizont und die Dimension dieser Stadt lässt sich von unten kaum begreifen.
Von oben wirken selbst große Gebäude plötzlich klein. Man kann Schulen erkennen, deren Schulhöfe so klein wirken, dass man sich fragt, wie dort überhaupt all die verschiedenen Sportflächen untergebracht werden können. Straßen werden zu dünnen Linien und die Menschen verschwinden vollständig aus dem Gesamtbild.
Gerade für mich als Fotograf war dieser Blick besonders spannend. Tokio sieht aus dieser Perspektive völlig anders aus als auf Straßenhöhe.
Das Fotografieren war auf den 350 Metern ebenfalls erstaunlich angenehm. Durch die großen Scheiben konnte man relativ nah an das Glas herangehen und dadurch störende Spiegelungen vermeiden. Gleichzeitig ist die Plattform groß genug, dass es trotz vieler Besucher nicht sofort eng wird.
Ich hatte ein Kombiticket gekauft und konnte damit anschließend noch auf die 450 Meter hohe Aussichtsplattform fahren. Das fand ich tatsächlich ziemlich interessant, weil die beiden Bereiche ein unterschiedliches Erlebnis bieten.
Der Bereich auf 450 Metern nennt sich Tembo Galleria. Von 445 Metern aus führt eine spiralförmige, verglaster Tunmnel langsam nach oben bis zum höchsten Punkt auf 450 Metern. Die gesamte Konstruktion fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie ein Spaziergang mitten im Himmel an.
Für Fotografen ist dieser Bereich allerdings etwas schwieriger. Die Fenster sind kleiner und man steht weiter vom Glas entfernt. Dadurch bekommt man häufiger Teile der Konstruktion oder Fensterrahmen mit ins Bild. Außerdem war es deutlich voller als auf den 350 Metern (liegt aber auch am begrenzten Platz).
Trotzdem ist der Blick noch einmal beeindruckender. Tokio liegt einem wirklich zu Füßen und man kann noch weiter über die Stadt schauen. Der höchste Punkt für Besucher liegt sogar bei 451,2 Metern, dem sogenannten Sorakara Point.
Ich hatte bewusst die Zeit rund um den Sonnenuntergang gewählt. Der Sonnenuntergang selbst war leider nicht so farbenfroh, wie ich es mir erhofft hatte. Trotzdem sorgte das langsam schwächer werdende Licht für einen schönen Kontrast zwischen Himmel und Stadt. Mit dem Sonnenuntergang veränderte sich Tokio dann innerhalb weniger Minuten. Oben angekommen schlängelt man sich einmal um den Turm herum nach oben.
Immer mehr Lichter gingen an und langsam begann die Stadt zu leuchten. Tagsüber wirkt Tokio aus dieser Höhe riesig und beinahe endlos. Sobald es dunkel wird, verwandelt sich die Stadt in ein riesiges Netz aus Lichtern.
Nachdem man mit dem Rundgang fertig ist, geht es mit dem Aufzug wieder hinunter auf die 350 Meter. Von dort fährt man anschließend zurück bis ganz nach unten. Insgesamt habe ich für das Kombiticket 4.300 Yen bezahlt. Das entspricht beim aktuellen Wechselkurs ungefähr 23 Euro.
Für das Erlebnis fand ich den Preis ausgesprochen fair. Gerade wenn man bedenkt, dass man sowohl die 350 Meter als auch die 450 Meter besuchen kann, bekommt man meiner Meinung nach einiges geboten.
Der Tokyo Skytree war für mich deshalb definitiv einen Besuch wert. Nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch wegen der Architektur selbst. Mit seinen 634 Metern, dem markanten Stahlgerüst und der Kombination aus traditioneller Formensprache und moderner Ingenieurskunst ist der Skytree ein beeindruckendes Bauwerk. Gleichzeitig bietet er einen völlig neuen Blick auf Tokio.
Und genau dieser Blick ist wahrscheinlich das Beeindruckendste am ganzen Besuch.
Man steht dort oben und sieht eine Stadt, die scheinbar einfach nicht aufhört.

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