Schon als Kind hatte ich einmal ein Bild vom verhüllten Reichstag in Berlin gesehen. Damals wusste ich natürlich noch nicht viel über Christo und Jeanne-Claude oder ihre Kunst. Das Bild des vollständig verhüllten Gebäudes ist mir aber im Gedächtnis geblieben. Jahre später hatte ich nun die Möglichkeit, selbst eine solche Verhüllung zu sehen.
Als Christo im Mai 2020 starb, stand bereits fest, dass die geplante Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris trotzdem umgesetzt werden sollte. Das Projekt war schon lange geplant und wurde nach seinem Tod in seinem Sinne realisiert. Für mich war das ein besonderer Anlass, denn ich wollte nicht nur eines seiner Werke auf Fotos sehen, sondern mit eigenen Augen einmal davor stehen.
Christo und Jeanne-Claude waren für ihre aufwändigen und zeitlich begrenzten Installationen bekannt. Sie verhüllten unter anderem 1997 den Reichstag in Berlin, den Pont Neuf in Paris, die Küste bei Sydney und Inseln vor Miami. Immer wieder verwandelten sie bekannte Bauwerke und ganze Landschaften für kurze Zeit in etwas völlig Neues. Nach einigen Wochen wurden die Materialien wieder entfernt und die Orte kehrten in ihren ursprünglichen Zustand zurück.
Also buchte ich mir eine Fahrt mit dem Flixbus und ein Hostel und machte mich auf den Weg in die französische Hauptstadt Paris. Viel Zeit wollte ich dort gar nicht verbringen, denn der einzige Grund für meine Reise stand für mich schon fest. Der Arc de Triomphe.
Als ich schließlich davorstand, war der Anblick beeindruckend. Es sah beinahe so aus, als hätte jemand einen riesige Decke über das gesamte Bauwerk gelegt. Gleichzeitig erinnerte mich die Form an ein gigantisches Geschenk zu Weihnachten. Es fehlte dafür nur noch die Schlaufe (wie in der Persil Werbung).
Für die Verhüllung wurden rund 25.000 Quadratmeter silbrig blauer Stoff und etwa 3.000 Meter rote Schnur verwendet. Der Stoff legte sich über die Konturen des Arc de Triomphe, während die roten Bänder die einzelnen Bahnen zusammenhielten. Dadurch entstand ein starker Kontrast, der gleichzeitig erstaunlich elegant wirkte. Zusammen ergeben die Farben der Materialien die französischen Nationalfarben.
Freiwillige verteilten kleine Quadratische Cutouts des Stoffes, der für die Verhüllung verwendet worden war. Ein kleines Stück dieser riesigen Installation konnte man also mit nach Hause nehmen. Dadurch wurde aus dem eigentlich vergänglichen Kunstwerk für viele Besucher eine kleine Erinnerung, die auch nach dem Abbau weiterexistieren konnte. Der Helfer meinte, man soll sich sein schönstes Bild der Installation ausdrucken und den Flecken dort neben oder auf das Bild kleben.
Zum Glück spielte auch das Wetter mit. Die Sonne warf schöne Schatten auf die Oberfläche und sorgte für einen starken Kontrast zwischen den einzelnen Falten des Stoffes. Dadurch wirkte die Verhüllung je nach Blickwinkel immer wieder anders.
Natürlich wollte ich mir den Arc de Triomphe auch von oben ansehen. Also ging es hinauf auf die Aussichtsplattform. Auch dort war die Verhüllung noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Zwischendurch schaute ich mir noch das Museum im Inneren des Bauwerks und die dort ausgestellten historischen Stücke an.
Von oben bot sich anschließend ein beeindruckender Blick über Paris. Der Eiffelturm ragte über die Dächer der Stadt hinaus und die Champs-Élysées führte schnurgerade durch die Stadt.
Am Nachmittag machte ich mich noch auf den Weg in Richtung Champs-Élysées. Dort sging ich zu einem Einkaufszentrum da ich den Spot schon vorher im Internet entdeckte. Viele Gebäude aus dieser Zeit haben eine ganz eigene Gestaltung, die man heute leider nicht mehr so häufig findet.
Am Abend kehrte ich dann noch einmal zum Arc de Triomphe zurück.
Ich wollte die Verhüllung unbedingt noch bei Sonnenuntergang sehen. Die letzten Sonnenstrahlen trafen auf den silbrig blauen Stoff und ließen die Oberfläche regelrecht leuchten. Dazu zogen Wolken über Paris und sorgten für einen spektakulären Himmel.
Das war noch einmal ein völlig anderer Anblick als am Nachmittag. Das Licht veränderte die gesamte Wirkung der Verhüllung und machte aus dem ohnehin schon ungewöhnlichen Bauwerk eine riesige Skulptur mitten in Paris.
Dann ging es am nächsten Morgen schon wieder mit dem Flixbus zurück nach Hause.
Für mich hatte sich die Reise definitiv gelohnt. Ich war im Grunde nur nach Paris gefahren, um einmal selbst eine solche Verhüllung zu sehen. Nachdem ich als Kind schon das Bild des verhüllten Reichstags gesehen hatte, war es etwas Besonderes, Jahre später selbst vor einem verhüllten Bauwerk von Christo zu stehen.Für insgesamt rund 80 Euro für Hin- und Rückfahrt und Hostel würde ich diese Reise definitiv wieder machen.