Mein erstes Rodeo in Utah
Bei der Planung unserer USA Reise standen viele Orte auf der Liste, die ich bereits kannte. Doch ich wollte auch etwas Neues erleben. Ganz oben auf dieser Liste stand ein echtes amerikanisches Rodeo.
Das Problem war nur, überhaupt eines zu finden. Wer auf einem Roadtrip fast jeden Tag weiterfährt, kann sich seine Termine nicht aussuchen. Im Nachhinein würde ich sagen, dass unser Reiseplan schon extrem straff war. Würde ich ihn heute noch einmal genauso planen? Wahrscheinlich nicht. Bereue ich es? Ganz sicher nicht. Die Reise war unglaublich, doch ein oder zwei freie Nachmittage hätten sicherlich auch gutgetan.
Nach einiger Suche entdeckten wir schließlich ein Rodeo in Parowan. Der kleine Ort lag etwa eine Stunde nördlich unseres Hotels und wir waren am selben Tag sogar schon einmal hindurchgefahren. Also packten wir spontan unsere Sachen und machten uns auf den Weg.
Schon die Ankunft fühlte sich typisch amerikanisch an. Ein riesiger Parkplatz voller Pickups, Familien und Cowboys. Dahinter eine große Arena mit einer überdachten Tribüne und einem eingezäunten Sandplatz. Schnell wurde klar, dass dies kein Event für Touristen war. Es war das Dorfereignis schlechthin. Überall sah man amerikanische Flaggen, Cowboyhüte, Jeans und riesige Gürtelschnallen. Dazwischen die typischen Getränkestände, wie man sie aus amerikanischen College Filmen kennt.
Kurz vor Sonnenuntergang begann die Veranstaltung. Den Auftakt machte die Nationalhymne gefolgt von einer Autohändler Werbung, wie typisch. Eine Reiterin galoppierte mit der wehenden amerikanischen Flagge durch die Arena. Genau dieser Moment fühlte sich an wie eine Filmszene. Für einen Augenblick hatte ich das Gefühl, mitten in einem Western zu sitzen.
Danach folgten die verschiedenen Disziplinen. Beim Bullenreiten dauerte jeder Versuch oft nur wenige Sekunden. Entweder hielt sich der Cowboy fest oder er landete fast sofort im Sand. Sobald ein Reiter stürzte, sprangen Helfer in die Arena, um den Bullen abzulenken. Gleichzeitig ritt ein Cowboy mit seinem Pferd heran und fing den Bullen mit dem Lasso ein, damit der gestürzte Reiter die Arena sicher verlassen konnte.
Zwischen den einzelnen Disziplinen übernahm immer wieder ein Rodeoclown die Unterhaltung. Ehrlich gesagt traf sein Humor nicht ganz meinen Geschmack, er war eher so Mario Barth Niveau. Trotzdem erfüllte er eine wichtige Aufgabe. Da viele Wettbewerbe nur wenige Sekunden dauerten, hätte die gesamte Veranstaltung ohne die Pausen und seine Einlagen wahrscheinlich schon nach 45 Minuten geendet. So sorgte er dafür, dass das Rodeo einen angenehmen Rhythmus bekam und die Zuschauer auch zwischen den spannenden Programmpunkten die Toilette aufsuchen konnten ohne etwas zu verpassen oder sich mit Bier und Essen eindecken konnten.
Etwas länger dauerten die Wettbewerbe mit den Pferden. Hier schafften es viele Reiter deutlich länger im Sattel zu bleiben. Besonders beeindruckend war zu beobachten, wie erfahrene Cowboys neben den Rodeopferden ritten und den Reiter während des Galopps auf ein anderes Pferd übernahmen. Dieses perfekte Zusammenspiel wirkte unglaublich spektakulär.
"Evakuierung" auf eine anderes Pferd
Danach folgten weitere Wettbewerbe. Beim sogenannten Calf Roping ging es darum, ein Kalb möglichst schnell mit dem Lasso zu fangen und zu fesseln. Entweder es klappte in Sekunden oder das Kalb entkam und der Reiter erhielt eine ungültige Wertung.
Calf roping
Erst catchen, dann die Hufe zusammenbinden
Mein persönliches Highlight kam allerdings ganz am Ende. Beim Barrel Racing jagten die Reiter mit ihren Pferden in höchstem Tempo um mehrere Fässer. Die Pferde legten sich regelrecht in die Kurven. Der Sand spritzte hoch durch die Luft und im warmen Licht der untergehenden Sonne entstand eine Stimmung, die ich kaum beschreiben kann. Dann noch die Silhouette gegen die untergehende Sonne zu fotografieren war unfassbar. Als Fotograf war das einer dieser seltenen Momente, in denen einfach alles zusammenpasste. Das Licht, die Dynamik und die Atmosphäre.
Barrel racing
Mindestens genauso spannend wie die Wettbewerbe war für mich das Publikum. Überall liefen Kinder und Jugendliche mit Cowboyhüten, großen Gürtelschnallen und klirrenden Sporen an ihren Stiefeln herum. Es wirkte überhaupt nicht gestellt, sondern einfach ganz selbstverständlich. Genau so lebt man hier. Besonders beeindruckt hat mich die Atmosphäre. Für einen Abend schien es völlig egal zu sein, ob jemand Republikaner oder Demokrat war. Alle fieberten gemeinsam mit, unterhielten sich und feierten das Rodeo. Von der oft beschriebenen politischen Spaltung in den USA war hier zumindest nichts zu spüren. Ob das generell für ländliche Regionen gilt, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber an diesem Abend hatte ich genau diesen Eindruck.
Das Rodeo auf den Iron County Fairgrounds in Parowan gehört für mich zu den unerwarteten Highlights unserer USA Reise. Es war authentisch, ursprünglich und vollkommen anders als alles, was ich zuvor erlebt hatte. Die Bilder erinnern mich noch heute an diesen Abend. Trotzdem werden sie der Stimmung kaum gerecht. Manche Erlebnisse kann man einfach nicht vollständig fotografieren. Man muss sie selbst erlebt haben.