Am Ende der Welt
Seit Jahren träumte ich davon, irgendwann einmal in die Antarktis zu reisen. Dieser weiße Kontinent, so weit entfernt, so unberührt und leider schwer zu erreichen, sodass es lange ein Traum blieb. Bis zu diesem einen Moment im Dezember. Ein alter Kollege rief mich an und fragte, ob ich kurzfristig auf der Hanseatic Spirit für die Antarktis Saison als Fotograf einspringen könnte – anschließend sogar noch in den Amazonas.
Meine Antwort war sofort klar: Ja.
Vorbereitung auf das Unbekannte
Die wenigen Wochen bis zur Abreise nutzte ich intensiv. Ich sprach mit Freunden und Kollegen, die schon dort gewesen waren, und sammelte Tipps. Schnell wurde mir klar: Die richtige Kleidung ist wichtig, da ich nicht frieren möchte. Winterhose, Skiunterwäsche, dicke Handschuhe – Schicht für Schicht bereitete ich mich für die Temperaturen und die schnellen Wetterwechsel vor. Dann ging es auch schon los. Von Frankfurt ging es über Madrid und Santiago bis in die chilenische Küstenstadt Puerto Montt.
Fahrt durch die Chilenischen Fjorde
Dort begann am nächsten Tag das eigentliche Abenteuer. Aufstieg, viel Papierkram und alles Auspacken. Zunächst führte uns die Route durch die rauen, mystischen Fjorde Chiles, weiter zu den Falklandinseln und schließlich nach Südgeorgien – eine Welt für sich.
Auf den Spuren von Shackleton
Einer der eindrucksvollsten Orte der Reise war Point Wild, Teil der Südlichen Shetlandinseln und geografisch bereits zur Antarktis gehörend. Hier wurde Geschichte geschrieben: Während der Endurance Expedition unter Ernest Shackleton harrten seine Männer hier über zwei Monate aus. Unter dem Kommando von Frank Wild warteten sie auf Rettung, während Shackleton selbst mit nur fünf Begleitern nach Südgeorgien segelte, um Hilfe zu holen.
Heute erinnert eine Büste von Luis Pardo Villalón an die Rettung. Er war der Kapitän des Schiffes "Yelcho", das die Männer schließlich zurück in die Zivilisation brachte.
Hautnah an der Zügelpinguin Kolonie
Mit den bordeigenen Zodiacs erkundeten wir die Küste. Vor uns ragten gewaltige Gletscher auf, die Felsen wirkten rau und unnahbar. Unsere kleinen Boote erschienen winzig in dieser gigantischen Landschaft. Überall Leben: Kormorane, Robben und tausende Pinguine. Leichter Schneefall legte sich über die Szenerie und machte diesen Ort noch magischer.
Der erste Schritt auf den Kontinent
Einen Tag später erreichten wir nach der Durchfahrt durch den Antarctic Sound schließlich Brown Bluff, den Ort, an dem ich zum ersten Mal antarktisches Festland betreten sollte. Schon die Anfahrt war surreal. Links und rechts ragten riesige Tafeleisberge aus dem Wasser. Eisschollen trieben lautlos vorbei, oft besetzt mit kleinen Gruppen von Pinguinen. Die Sonne ließ das Eis in unzähligen Facetten glitzern. Wale tauchten neben dem Schiff auf, Pinguine schossen wie Pfeile aus dem Wasser. Unser Schiff brach sich seinen Weg durch das Eis. Das kraftvolles Knacken des Eises begleitete uns und man konnte es im ganzen Schiff spüren. Schwer vorstellbar, dass diese so klein wirkenden Schollen teilweise mehrere Dutzend Tonnen die wir zur Seite schoben oder durchbrachen.
Der Arctic Sound
Am Nachmittag war es endlich so weit. Der Moment, in dem ich zum ersten Mal meinen Fuß auf antarktischen Boden setzte. Die Landschaft hatte sich komplett verändert. Die einzigen Farben waren Schwarz, Blau und Grau.
Gemeinsam mit dem Expeditionsteam markierten wir einen kurzen Weg mit Flaggen bis zur Kolonie, damit die Tiere nicht gestört werden. Als Crewmitglied mit IAATO Zertifikat durfte ich die ganze Zeit an Land bleiben. Für Gäste ist das anders geregelt. Nach den Richtlinien der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) dürfen je nach Landingsite nur 100 oder 50 Personen gleichzeitig an Land. Deshalb erfolgt alles in zwei Gruppen, jede mit etwa 90 Minuten Zeit. Doch selbst das reicht, um diese Szenerie auf sich wirken zu lassen.
Eselspinguine mit ihren nur wenige Wochen alten Küken, vorsichtig tapsend im Schnee. Und dann dieser Anblick auf eine riesige Kolonie von über 20000 Brutpaaren von Adéliepinguin. Die Hänge waren komplett bedeckt. Ein lebendiges, lautes, faszinierendes Chaos. Im Wasser schwammen Pinguine vorbei und hüpften vorbei.
Irgendwann nahm ich die Kamera herunter und ließ den Moment einfach auf mich wirken.
Fazit
Die Antarktis ist mehr als nur ein Reiseziel. Sie ist ein Gefühl. Eine Erinnerung daran, wie ursprünglich und unberührt unsere Welt sein kann, wenn wir sie lassen. Und vielleicht auch ein Ort, der einen selbst ein kleines bisschen verändert.