Auf den Spuren des Colorado River

Touristen am Abgrund des Grand Canyon.

Es gibt Orte, die man immer wieder besuchen kann und die doch jedes Mal anders wirken. Der Grand Canyon gehört für mich dazu. Einige Jahre zuvor war ich bereits mit meinem Vater hier gewesen. Diesmal stand ich jedoch gemeinsam mit Freunden am Rand der gewaltigen Schlucht. Es war das erste Mal einige von Ihnen, dass sie diesen Ort erleben durften und genau das machte den Besuch besonders.
Wenn man zum ersten Mal auf den Grand Canyon blickt, stellt man sich unweigerlich die Frage, wie dieser riesige Canyon überhaupt entstanden sein kann. Tief unten schlängelt sich der Colorado River durch die Landschaft. Von hier oben wirkt er eher wie ein kleiner Bach als wie ein mächtiger Fluss. Doch genau dieser Fluss hat über Millionen von Jahren die gewaltige Schlucht in das Gestein gegraben und damit eine der beeindruckendsten Landschaften der Erde geschaffen. 
Nach einer kleinen Wanderung ließen wir uns auf einem Felsvorsprung nieder und ließen die Füße über dem Abgrund baumeln. Direkt in der Nähe beginnt auch der Bright Angel Trail, der bekannteste Wanderweg des Grand Canyon Nationalparks. Auf über zwölf Kilometern führt er rund 1.360 Höhenmeter hinunter bis zum Wasser des Colorado River.
Vor uns lag eine scheinbar endlose Weite. Während die Sonne langsam hinter den Felsen verschwand, genossen wir unser Picknick und beobachteten, wie sich die Farben des Canyons minütlich veränderten. Orange, Rot und Gold tauchten die Felswände in ein fast unwirkliches Licht. Es war einer dieser Abende, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Einfach magisch.

Magisches Licht während des Sonnenuntergangs.

Am nächsten Morgen ging es noch vor Sonnenaufgang weiter. Unser Ziel war Page in Arizona. Kurz vor der Stadt bogen wir jedoch Richtung Lees Ferry ab. Genau hier begann das eigentliche Abenteuer des Tages.
Von Lees Ferry aus brachte uns ein Motorboot einige Kilometer flussaufwärts bis kurz unter den Glen Canyon Dam, der den gewaltigen Lake Powell aufstaut. Dort wurden wir mit unseren Kajaks abgesetzt. Vor uns lag der Colorado River.

Blick vom Colorado RIver.

Obwohl draußen sommerliche Temperaturen herrschten, hatte das Wasser gerade einmal 9° Celsius. Schon das Eintauchen der Hände sorgte für eine willkommene Abkühlung. Langsam paddelten wir flussabwärts und ließen uns immer wieder von der Strömung treiben. Wir hatten alle unsere Getränkte in einem Beutel im Wasser schwimmen um sie kühl zu halten. Über uns ragten die steilen Felswände des Canyon hunderte Meter in den Himmel. Erst hier auf dem Wasser wurde deutlich, wie klein man als Mensch eigentlich ist.
Besonders beeindruckend war die Durchfahrt durch den Horseshoe Bend. Ich kannte ihn bisher nur von der Kante oben. Die berühmte Flussschleife gehört zu den bekanntesten Motiven des amerikanischen Westens. Von unten wirkte sie jedoch noch einmal völlig anders. Die gewaltigen Sandsteinwände schlossen sich um uns, während der Colorado River in einer riesigen Kurve seinen Weg durch die Landschaft suchte.

Kajak fahren auf dem Colorado River.

Die ersten Stunden vergingen wie im Flug. Immer wieder legten wir an kleinen Stränden an, machten Fotos oder genossen einfach die Ruhe dieses beeindruckenden Canyons. Doch irgendwann kam Gegenwind auf. Aus gemütlichem Dahintreiben wurde plötzlich echte Arbeit. Jeder Paddelschlag kostete mehr Kraft, kleine Wellen spritzten ins Gesicht, und wir wussten, dass noch einige Kilometer vor uns lagen.

Wildpferde direkt am Flussbett des Colorado Rivers.

Gegen Ende unserer Tour begegneten uns sogar noch die hier lebenden Wildpferde. Bereits vorab hatte ich online gelesen, dass man mit etwas Glück die sogenannten Mustangs sehen kann. Tatsächlich standen 2 Pferde am Ufer des Colorado River und schienen sich von den vorbeifahrenden Kajaks kaum stören zu lassen. Ihre Vorfahren stammen von Pferden ab, die einst von spanischen Entdeckern nach Nordamerika gebracht wurden. Die Pferde in dieser Region sind bestens an das raue Leben in der Wüstenlandschaft angepasst und nutzen den Colorado River als wichtige Wasserquelle. Ob es sich um Mustangs oder verwilderte Hauspferde handelte, konnte ich nicht sagen. In jedem Fall sehr cool sie zu gesehen zu haben.
Doch auch dieser Abschnitt war irgendwann geschafft. Nach rund 17 Kilometern und etwa fünf Stunden erreichten wir schließlich wieder den Parkplatz bei Lees Ferry. Müde, aber glücklich zogen wir die Kajaks an Land, gaben die Ausrüstung zurück und packten unsere Sachen ins Auto. Lange blieben wir jedoch nicht, denn am selben Abend wollten wir den Horseshoe Bend ein zweites Mal erleben.
Diesmal nicht vom Wasser aus, sondern von oben.

Pünktlich zu den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir den Aussichtspunkt. Vor uns lag dieselbe Flussschleife, die wir wenige Stunden zuvor noch mit dem Kajak durchpaddelt hatten. Nun betrachteten wir sie aus fast 300 Metern Höhe. Die Sonne tauchte die Felsen in warme Farben und ließ den Colorado River tief unten in der Schlucht in einem tiefen blau schimmern.
Es war der perfekte Abschluss eines geilen Tages.
Legs showing at susnet at horseshoe bend

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