Wenn es in der Seefahrt nur ein legendäres Kap gäbe, dann wäre es Kap Hoorn. Kein anderer Ort steht so sehr für den Mut der großen Entdecker und Seefahrer, die über Jahrhunderte hinweg die tosenden Gewässer am Ende der Welt bezwangen, um neue Handelswege zu erschließen und die Kontinente miteinander zu verbinden. Die gefährliche Umrundung des Kaps schrieb unzählige Geschichten von Sturm, Abenteuer und Entbehrung und wurde zu einem Symbol für die Entdeckerlust, die unsere heutige vernetzte Welt mitgeprägt hat.
Schon seit einigen Wochen habe ich mich auf diesen Morgen gefreut. Die Anlandung am Kap Hoorn war für mich eines der absoluten Highlights der Reise. Umso spannender war die Frage, ob sie überhaupt stattfinden würde. Nur zweimal Mal dieses Jahr steht das legendäre Kap auf dem Fahrplan der Hapag Lloyd Schiffe und selbst dann gelingt eine Anlandung nur in etwa der Hälfte der Fälle. Zu unberechenbar sind Wind, Wellen und Schwell an einem der rauesten Orte der Erde.
An diesem Morgen hatten wir jedoch großes Glück. Als ich auf die Brücke ging, lag die Spirit bereits vor Anker. Das Wetter war überraschend ruhig und die Bedingungen sahen gut aus. Mit dem ersten Zodiac ging es hinüber zur kleinen, windgeschützten Bucht auf der Ostseite der Insel. Trotzdem merkte man bereits dort den starken Schwell, der selbst in der geschützten Ecke noch deutlich zu spüren war. Nach der Anlandung führte uns eine schmale Treppe die steile Klippe hinauf. Mit jedem Schritt nach oben wurde der Wind stärker. Es war gerade einmal viertel nach Sieben am Morgen und die Bedingungen waren noch relativ ruhig. Deshalb machte ich mich direkt auf den Weg, um die einmalige Gelegenheit zu nutzen und einige Bilder der Kapelle und des Leuchtturms ohne andere Besucher aufzunehmen.