Tokio, die größte Stadt der Welt, war lange ein Reiseziel, das ich unbedingt einmal erleben wollte. Nun geht es zum ersten Mal nach Japan und gleichzeitig zum ersten Mal in diese gewaltige Metropole. Zusammen mit unseren Tauchsachen sitzen wir im Flieger Richtung Asien. Vor Tokio wartet jedoch noch ein längerer Zwischenstopp am Dschingis-Khan-Airport in der Mongolei.
Mitten in der weiten Landschaft der Mongolei verbringen wir dort sieben Stunden Layover am wohl größten Flughafen des Landes. Schnell merkt man, dass die Uhren hier etwas anders ticken. Je länger die Schlange am Schalter wird, desto langsamer scheint gearbeitet zu werden, eine interessante Erfahrung, die im krassen Kontrast zu dem steht, was uns später in Japan erwartet.
Schon bei der Ankunft in Tokio wird klar, wie anders diese Stadt funktioniert. Alles wirkt organisiert, ruhig und präzise. Die Metro ist pünktlich, die Abläufe funktionieren, und trotzdem braucht es einen Moment, um in diesem Tempo anzukommen. Gleichzeitig wird schnell deutlich, wie gewaltig Tokio wirklich ist. Eine Stadt, die sich scheinbar endlos ausdehnt, ohne wirklich ein Zentrum zu haben, und in der Millionen von Menschen gleichzeitig ihren Alltag leben.
Am ersten Abend geht es direkt weiter zum Olympiastadion, wo die Leichtathletik-Weltmeisterschaft stattfindet. Zwischen riesigen Tribünen und einer elektrisierenden Atmosphäre feuern wir die deutschen Athleten an und tauchen sofort in die sportliche Energie der Stadt ein.
Am nächsten Tag folgt eines meiner persönlichen Highlights. Ein Besuch bei Fujiya Camera. Tokio ist bekannt für seine zahlreichen Fotoläden und Second-Hand-Shops, und schon beim Betreten fühlt es sich an wie ein kleines Paradies. Objektive, Kamerabodies und Zubehör stapeln sich bis unter die Decke, und man verliert schnell jedes Zeitgefühl. Es gibt soviel Auswahl von allen Marken, von Canon bis Rolleiflex alles war vertreten. Fujiya Camera ist unterteil in vier seperate Läden: Ein Kamerastore mit Neuware und Secondhandprodukten, einen Filmkamerageschäft, darüber liegt der Laden für Zubehör wie Stative, FIlter, etc. und ein Block entfernt befindet sich die Junk Hall.
Die Junk Hall ist wirklich neben dem Hauptgeschäft mein Highlight gewesen, augrund ihrer Varietät an Produkten. Von stark benutzten Stativen, über kaputten Contax Bodies bis hin zu Kameragurten und Objektivdeckel jeglicher Hersteller für 1,50€. Da ahnte ich schon, dass ich Tokio mit mehr Gepäck verlassen werde als ich ankam.
Danach erkunden wir Shinjuku, das wohl lebendigste Viertel der Stadt. Es wirkt stellenweise wie das japanische Pendant zur Hamburger Reeperbahn, nur größer, heller und noch intensiver. Neonlichter, riesige Werbeflächen und Menschenströme, die ununterbrochen durch die Straßen fließen, lassen die Nacht zum Tag werden. Zwischen Restaurants, Karaoke Bars, Spielhallen und Nachtclubs herrscht rund um die Uhr Bewegung.
Sobald es dunkel wird, verändert sich die Atmosphäre noch einmal deutlich. Entlang der Straßen stehen Hostessen und Promoter, die versuchen, Gäste in Bars und Clubs zu locken. Gleichzeitig drängen sich Touristen, Geschäftsleute und Nachtschwärmer durch die engen Straßen, während aus jeder Ecke Musik und Stimmen zu hören sind.
Mitten zwischen all den Leuchtreklamen ragt plötzlich der berühmte Godzilla Head auf dem Toho Kino hervor, eines der bekanntesten Wahrzeichen des Viertels. Gerade nachts wirkt die Szenerie fast surreal, als wäre man mitten in einem Film gelandet.
Trotz des wilden Nachtlebens wirkt selbst dieses Viertel organisiert. Shinjuku war nachts der einzige Ort in Tokio, an dem ich überhaupt stark betrunkene Menschen gesehen habe (außer auf dem Oktoberfest). Doch selbst dort wurde schnell von Polizei oder Sicherheitspersonal eingegriffen, sodass die Situation nie ausgenutzt werden kann. Genau dieser Kontrast macht Tokio so faszinierend, eine riesige, laute und überfüllte Stadt, die trotzdem jederzeit kontrolliert und sicher erscheint.
Dieses Bild war eines meiner Hauptziele der gesamten Reise und etwas, das ich unbedingt fotografieren wollte. Am Ende hat es über eine Stunde gedauert und mehr als 800 Aufnahmen gebraucht, bis alles perfekt zusammengepasst hat. Auf den ersten Blick wirkt das Motiv simpel, doch genau darin liegt die Schwierigkeit.
Das Auto musste exakt mittig zwischen den Gebäuden sein, gleichzeitig durfte kein störender Gegenverkehr auftauchen. Besonders wichtig war außerdem ein komplett schwarzes Taxi ohne Werbung oder auffällige Aufkleber an den Seiten, was in Tokio überraschend selten ist. Und selbst wenn all diese Faktoren gepasst haben, musste ich die Bewegung noch exakt mitziehen. Schon eine minimale Abweichung in der Geschwindigkeit hätte das gesamte Bild unbrauchbar gemacht.
Also stand ich insgesamt über eine Stunde an derselben Stelle der Kreuzung, beobachtete den Verkehr, wartete auf den richtigen Moment und machte insgesamt über 800 Bilder. Erst als ich entscheiden hatte in fünf Minuten wirklich zu gehen, passte alles gleichzeitig zusammen. Genau dieses eine Bild, das ich vorher bereits im Kopf hatte.
Am Ende bin ich extrem zufrieden mit dem Ergebnis, weil es genau so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Fotografiert wurde das Bild mit der Canon R3, 29 Millimetern, Blende F5 und einer Belichtungszeit von 1/10 Sekunde.
Zum Glück machten wir uns rechtzeitig zurück auf den Weg zum Hotel. Was wir nämlich nicht wussten, war, dass in Tokio der letzte Zug bereits ungefähr gegen halb eins nachts fährt. Danach steht der öffentliche Nahverkehr bis etwa fünf Uhr morgens komplett still. Keine Metro, keine Züge, kaum Busse und das mitten in der größten Stadt der Welt.
Mit vielem hatten wir gerechnet, aber definitiv nicht damit. Gleichzeitig erklärt genau das auch, warum das System so zuverlässig funktioniert. Die nächtliche Pause wird genutzt, um Wartungen, Reparaturen und Kontrollen durchzuführen, etwas, das bei einem so riesigen Verkehrsnetz unverzichtbar ist. Erst später habe ich gelesen, dass viele große Metrosysteme weltweit nachts teilweise oder komplett schließen. Das erklärt im Nachhinein auch einige der Probleme und Verspätungen anderer Städte wie beispielsweise der New Yorker Metro, deren Netz rund um die Uhr betrieben wird und bei der Wartungsarbeiten dadurch deutlich schwieriger umzusetzen sind. Danke, MTA.
Zum Glück haben wir den letzten Zug noch rechtzeitig erwischt. Andernfalls hätten wir entweder ein teures Taxi nehmen, oder vier Stunden in Shinjuku verbringen müssen, bis die ersten Bahnen am Morgen wieder fahren.
Funfact: Die gleichnamige Shinjuku Station ist der meistfrequentierte Bahnhof der Welt. Täglich nutzen durchschnittlich rund 3,6 Millionen Menschen die Station mit ihren 52 Gleisen. Insgesamt verfügt sie über mehr als 200 Ausgänge. Allein der Weg von einem Ende der Station zum anderen kann gut und gerne 30 Minuten dauern, vollkommen verrückt.
Ein weiteres Muss in Tokio ist die Shibuya Crossing. Sie liegt im Herzen des Stadtteils Shibuya im südwestlichen Teil der Stadt und gilt als die geschäftigste Kreuzung der Welt. Teilweise überqueren hier gleichzeitig bis zu 5000 Menschen die Straße. Damit ist sie längst mehr als nur eine Kreuzung geworden, sondern eines der bekanntesten Wahrzeichen Tokios.
Direkt daneben befindet sich auch die Statue von Hachikō, dem berühmten Hund, der dort jahrelang täglich auf sein verstorbenes Herrchen gewartet haben soll. Die Geschichte ist in Japan bis heute bekannt und wurde sogar verfilmt.
Am eindrucksvollsten erlebt man die Kreuzung nachts von oben. Online wurde dafür öfter die Aussichtsplattform Shibuya Sky empfohlen, die zusätzlich durch ihre spektakulären Rolltreppen bekannt ist, auf denen man scheinbar direkt entlang der Skyline nach oben fährt. Es ist leider nur eine Kamera und kein Stativ erlaubt. Alles in allem ist Shibuya Sky eine beeindruckende Plattform für den Blick über Tokio, für die perfekte Sicht auf die Shibuya Crossing gibt es jedoch bessere Orte. Deshalb sind wir am nächsten Morgen noch zu Mag's Park Rooftop gefahren. Der Eintritt kostet zwar rund zehn Euro, dafür bekommt man immerhin ein Getränk dazu und vor allem einen deutlich besseren Blick auf die Kreuzung.
Besonders faszinierend ist das ständige Schauspiel dort unten. Viele Touristen versuchen bei jeder Ampelphase die Ersten mitten auf der Kreuzung zu sein, teilweise entstehen regelrechte kleine Sprintrennen zur Mitte. Von oben wirkt das fast surreal und gleichzeitig unglaublich fotogen.
Gerade als Fotograf beginnt man automatisch nach Mustern zu suchen. Farbflächen aus Regenschirmen und Kleidung, geometrische Linien der Straßen oder minimalistische Szenen zwischen den Menschenmengen. Genau dafür ist Tokio ein perfekter Ort. Für mich ist es eine der fotogensten Städte, die ich bisher erlebt habe.