Boi Bumbá in Parintins. Brasiliens bunteste Rivalität

Wer an Brasilien denkt, denkt meist zuerst an den Karneval in Rio. Doch tief im Amazonas wartet ein Festival, das für viele Brasilianer mindestens genauso bedeutend ist. Das Boi Bumbá Festival in Parintins ist eine spektakuläre Mischung aus Tanz, Musik, Theater und riesigen Festwagen, bei der zwei Mannschaften gegeneinander antreten und die Geschichte eines legendären Ochsen erzählen. Drei Tage lang verwandelt sich die gesamte Stadt in eine einzige Bühne voller Farben, Emotionen und Leidenschaft.
Als ich mit dem Schiff auf dem Amazonas unterwegs war, machten wir sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts einen Stopp in Parintins. Ein paar Stunden reichten aus, um die Stadt zu erkunden, bevor es am Abend zu einer Boi Bumbá Show ging.
Parintins liegt rund 460 Kilometer östlich von Manaus direkt am Amazonas und zählt knapp 120.000 Einwohner. Einmal im Jahr steht hier jedoch alles still, denn dann verwandelt sich die gesamte Stadt für drei Tage in das Zentrum des zweitgrößten Festivals Brasiliens, dass immer Ende Juni stattfindet,  nach dem Karneval in Rio de Janeiro. Beim Boi Bumbá treten die beiden rivalisierenden Gruppen Garantido und Caprichoso mit aufwendig inszenierten Shows gegeneinander an. Musik, Tanz, riesige Bühnenbilder und beeindruckende Kostüme erzählen dabei traditionelle Geschichten aus der Amazonasregion und werden von einer Jury bewertet.

Die Catedral Nossa Senhora do Carmo

Schon nach wenigen Minuten in der Stadt fällt auf, dass Parintins in zwei Welten geteilt ist. Im Südwesten dominiert Rot, die Farbe von Garantido. Im Nordosten gehört alles den blauen Caprichosos. Diese Rivalität prägt das gesamte Stadtbild.
Meine Rikshatour führte mich zunächst zur Kathedrale. Dort verläuft die Grenze zwischen beiden Stadtteilen besonders eindrucksvoll. Die Gehwege sind auf einer Seite rot weiß und auf der anderen blau weiß gestaltet. An manchen Stellen verläuft die Trennlinie sogar mitten durch den Gehweg. Auch die Bewohner zeigen klar ihre Zugehörigkeit und tragen fast ausschließlich die Farben ihrer Mannschaft. Selbst Taxifahrer tragen häufig rot und blau zugleich, schließlich bewegen sie sich täglich zwischen beiden Welten. 

Das Bumbódromo de Parintins

Die Kathedrale selbst wirkt mit ihrer offenen Bauweise angenehm luftig und bietet einen schönen Kontrast zum bunten Treiben davor.
Anschließend ging es weiter zum Bumbódromo. Das eigens für das Festival errichtete Stadion ist ebenfalls exakt in zwei Hälften geteilt. Eine Tribüne ist komplett rot, die andere komplett blau. Hier findet jedes Jahr das große Finale des Festivals statt und zehntausende Zuschauer feuern ihre Mannschaft an.
Tipp: Wenn man auf der rechten Seite um die Ecke geht, kann man den Security Guard nett fragen ob man eine kleine Führung bekommen kann. Bei mir klappte es und ich konnte das Stadion und die oberen Räume von innen anschauen. Besonders cool fand ich, dass meine beiden Guides jeweils Anhänger der gegnerischen Mannschaften waren. Beide versuchten mit einem Augenzwinkern, mich von ihrem Team zu überzeugen. Einer von ihnen erzählte mir jedoch, dass diese Rivalität vor allem während des Festivals gelebt wird und für viele auch einfach dazugehört.
Privat seien sie trotzdem beste Freunde. Genau das machte den besonderen Charme von Parintins aus. Jeder steht leidenschaftlich hinter seinem Team, doch am Ende verbindet das Festival die Menschen mehr, als es sie trennt.
Der Bulle der Garantido
Der Bulle der Garantido
Der Bulle der Caprichoso
Der Bulle der Caprichoso
Luftaufnahme des Bumbódromo
Luftaufnahme des Bumbódromo
Panorama des Stadions
Panorama des Stadions
Mein nächster Stopp war die Trainingsarena der Caprichosos, die sogenannte Curral Zeca Xibelão. Dort gibt es eine Besonderheit, die weltweit nur an zwei Orten existiert. Coca Cola darf sein Logo hier offiziell auf blauem Hintergrund verwenden. Der andere Ort ist Buenos Aires. Früher gab es sogar blaue Coca Cola Dosen als Sonderedition. Leider werden sie heute nicht mehr produziert. Sonst hätte ich mir definitiv eine mitgenommen.
Langsam ging es zurück zum Schiff. Nach dem Abendessen brachten uns Busse zur Arena von Garantido, die etwas außerhalb liegt. Dort angekommen wartete bereits die gesamte Crew gespannt auf den Beginn der Vorstellung.
Was dann folgte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Riesige Bühnenbilder, unzählige Tänzer, beeindruckende Kostüme, Live Musik und eine Energie, die einen sofort mitreißt. Die etwa zweistündige Show war zwar nur ein kleiner Einblick in das eigentliche Festival, zeigte aber eindrucksvoll, warum Boi Bumbá als zweitgrößtes Fest Brasiliens gilt.
Für beste Stimmung war ebenfalls gesorgt. Auf den Tischen standen überall kostenlose Caipirinhas, wodurch die Atmosphäre im Laufe des Abends immer ausgelassener wurde. Es wurde gelacht, getanzt und gefeiert.
Als ich später wieder auf dem Schiff war, wusste ich sofort, dass ich irgendwann Mal zurückkommen möchte. Nicht nur für diese Show, sondern für das komplette dreitägige Festival. Denn das, was ich an diesem Abend erlebt habe, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf eines der beeindruckendsten Feste Südamerikas.

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