Nachdem ich im Internet ein Video über das Disaster Prevention Center Honjo in Tokio gesehen hatte, war für mich sofort klar, dass ich das einmal besuchen muss. Ein Ort, an dem man selbst erleben kann, wie sich ein starkes Erdbeben anfühlt, Feuer löschen kann und lernt, wie man sich durch ein verrauchte Gebäude rettet. Genau das wollte ich mir nicht nur auf einem Bildschirm ansehen, sondern selbst mal ausprobieren.
Das Disaster Prevention Center Honjo wird von der Feuerwehr Tokio betrieben und ist im Grunde eine große interaktive Übungsanlage für Katastrophenschutz. Besucher können dort verschiedene Szenarien durchspielen und dabei lernen, wie man sich im Ernstfall richtig verhält. Das Ganze ist sogar kostenlos.
Die Buchung war allerdings etwas komplizierter. Nach einigem Suchen fand ich schließlich das Online Buchungssystem. Dort erstellt man einen Account und kann sich für einen bestimmten Tag und ein bestimmtes Training anmelden. Anschließend bekommt man eine Bestätigung, ob die Teilnahme geklappt hat.
Bei meinem reservierten Workshop sollte eigentlich auch die Evakuierung aus einem Auto simuliert werden, das in den Fluten steht. Und auch einen Sturmsimulator stand im Programm. Diese Station wurde an diesem Tag allerdings leider nicht angeboten, dafür war das Feuerlöschtraining dabei.
Vor Ort meldet man sich zunächst an der Rezeption an und fährt anschließend in den vierten Stock. Dort sammelt sich die Gruppe und die eigentliche Führung beginnt. Die Feuerwehrleute sind ausgesprochen freundlich, allerdings wird fast alles auf Japanisch erklärt. Für ausländische Besucher kann das zunächst etwas schwierig sein. Mit Google Übersetzer und dem Dolmetscher Modus lässt sich das aber überraschend gut lösen. Außerdem arbeiten die einzelnen Stationen viel mit Animationen und Videos, die auch ohne große Sprachkenntnisse verständlich sind.
Los ging es mit einem etwa 30 Minuten langen Film über die verschiedenen Gefahren, die bei einem Erdbeben entstehen können. Der Film war mit Untertiteln versehen und überraschend interessant und kurzweilig. Danach wurde die Gruppe in kleinere Gruppen aufgeteilt und wir gingen nacheinander zu den verschiedenen Stationen.
Meine erste Station war das Feuerlöschtraining. Dabei handelt es sich um einen Simulator, den nach Aussage der Feuerwehr auch für das eigene Training verwendet wird. Die Feuerlöscher sind mit Wasser und Druckluft gefüllt und fühlen sich dadurch tatsächlich erstaunlich ähnlich wie echte Feuerlöscher an.
Dann hieß es "KAJI da" rufen und loslöschen. Auf einer Leinwand wurde ein Brand dargestellt und man musste versuchen, den Brandherd mit dem Feuerlöscher zu treffen. Das hat echt Spaß gemacht, und war echt realistisch.
Anschließend ging es zur Erste Hilfe. In einem Raum lagen zahlreiche Übungspuppen, an denen verschiedene Situationen trainiert wurden. Wir lernten unter anderem die richtige Herzdruckmassage und den Umgang mit einem Defibrillator. Auch hier war alles sehr realistisch aufgebaut. Man musste die Elektroden selbst aufkleben und den kompletten Ablauf einmal durchspielen.
Danach kam die Station, auf die ich mich am meisten gefreut hatte. Der Erdbeben Simulator.
In Deutschland habe ich bisher noch kein richtiges Erdbeben erlebt. Das stärkste, das ich bewusst wahrgenommen habe, lag meiner Erinnerung nach bei ungefähr 4,0 in der Eifel. Hier sollte es nun deutlich stärker werden.
 Bevor es auf die Rüttelplatte ging, wurde noch einmal anschaulich visualisiert, wie stark die Magnitudenskala mit jeder Stufe ansteigt. Eine Erhöhung um eine Magnitudenstufe entspricht ungefähr der 32-fachen freigesetzten Energie. Ein Erdbeben der Stärke 7 setzt also etwa 32-mal so viel Energie frei wie eines der Stärke 6. Bei einem Erdbeben der Stärke 8 sind es bereits ungefähr 1000-mal so viel wie bei Stärke 6. Das "Great East Japan Earthquake" da an jeder Station mindestens einmal erwähnt wird hatte eine 9,0 bis 9,1 auf der Richterskala. Es hatte also 1000 mehr Energie als das was ich da erlebt habe.
Danach ging es auf die riesige Rüttelplatte. Je nach Szenario wird darauf beispielsweise ein Wohnhaus oder ein Supermarkt im Hintergrund simuliert. Wir standen in einer kleinen Gruppe auf der Plattform und dann ging es los. Ich bekam ein Erdbeben der Stärke 7,0. Und das war wirklich heftig, die Intensität kommt im Video nicht wirklich rüber.
Die Bewegung der Plattform ist so stark, dass man sich kaum auf den Beinen halten könnte, daher kniete man. Wir gingen so schnell wie möglich in die Schutzhaltung. Plötzlich versteht man sehr viel besser, warum selbst massive Gebäude bei solchen Erdbeben beschädigt werden oder einstürzen können. Theorie ist eine Sache, aber einmal selbst auf einer solchen Plattform zu stehen, vermittelt noch einmal ein völlig anderes Gefühl dafür. 
Zum Abschluss ging es in den Smoke Simulator. Dort wird eine Wohnung dargestellt, die mit dichtem Rauch gefüllt ist. Die Aufgabe ist, möglichst tief zu bleiben und sich durch die Wohnung zu bewegen.
Das hat mich sofort an die Smoke Drills auf dem Schiff erinnert. Dort wurden bei Übungen teilweise Räume mit Nebelmaschinen komplett gefüllt. Die Sicht war dann praktisch gleich null und man musste sich tastend oder in einer Menschenkette durch die Räume bewegen. Genau dieses Gefühl kam hier wieder auf.
Leider war der Sturm Simulator wie auch die Auto-Evakuierungssimulator an diesem Tag ebenfalls nicht Teil meiner Führung. Trotzdem war der gesamte Workshop unglaublich interessant. Hier spürt man welche Kraft man braucht um die Autotüre gegen eine relativ geringe Wasserhöhe und Strömung zu öffnen.
Man lernt nicht nur, was man während eines Erdbebens tun sollte, sondern auch, was man besser nicht tun sollte. Vieles davon hatte ich zwar schon einmal gehört, aber durch die praktischen Übungen wurden diese Dinge noch einmal ganz anders verankert.
Genau das macht das Disaster Prevention Center Honyu so interessant. Statt einfach nur theoretisch über Katastrophenschutz zu sprechen, lässt man die Besucher die verschiedenen Situationen selbst erleben und dadurch bleibt viel mehr in Erinnerung.
Ich finde, solche Einrichtungen sollte es viel häufiger geben. Gerade in Ländern wie Japan, in denen Erdbeben zum Alltag gehören, ist es eine großartige Möglichkeit, Menschen auf den Ernstfall vorzubereiten. Aber auch in Deutschland könnte ich mir solche Prevention Center sehr gut vorstellen.
Und das Beste daran: Der Besuch ist kostenlos.
Am Ende bekommt man sogar noch eine kleine Sammelkarte als Erinnerung.
Das war für mich eindeutig die untouristischste Aktivität in Tokio, aber wohl die lehrreichste. In China gibt es in Hangzhou ein ähnliches Center was noch realistischere Erfahrung verspricht, vielleicht kommt das auch auf meine Liste (Reuters).

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