Schon früh am Morgen begann einer der interessantesten Ausflüge meines Vertrages auf der Mein Schiff 1. Unser Ziel war Chichén Itzá, eine der berühmtesten Ausgrabungsstätten der Maya und eines der neuen sieben Weltwunder. Mehr als 420 Gäste hatten sich für den Ausflug angemeldet. Insgesamt zehn Busse waren dafür eingeplant.
Von Cozumel ging es zunächst mit der Fähre aufs Festland. Trotz etwas Wellengang verlief die Überfahrt problemlos. Anschließend wurden alle Gäste auf die wartenden Busse verteilt und wir machten uns auf den rund dreistündigen Weg durch das Inland der Halbinsel Yucatán. Einen Großteil der Fahrt verschlief ich. Erst bei einer kurzen Pause auf halber Strecke wurde ich wieder wach. Unser Guide nahm sich da Zeit, mir noch einmal die wichtigsten Informationen zusammenzufassen, die er den Gästen zuvor erklärt hatte. Das war alles andere als selbstverständlich und echt nett von ihm.
Angekommen in Chichén Itzá wartete direkt die erste Überraschung. Für jede Kamera, mit der Videos aufgenommen werden konnten, wurde eine zusätzliche Gebühr erhoben. Davon war sogar meine kleine Actioncam betroffen. Smartphones waren dagegen von der Regel ausgenommen. Wirklich nachvollziehen konnte ich diese Unterscheidung zwar nicht, viel ändern ließ sich daran aber auch nicht.
Chichén Itzá ist deutlich größer, als ich es erwartet hatte. Zwischen den alten Bauwerken standen zahlreiche Verkäufer, die Souvenirs aller Art verkauften. Im Mittelpunkt steht natürlich die weltberühmte Stufenpyramide El Castillo, die heute wie kaum ein anderes Bauwerk für die Kultur der Maya steht. Erst wenn man sich weiter über das Gelände bewegt, wird einem beswusst, wie groß die einstige Stadt gewesen sein muss. Überall finden sich Überreste von Tempeln, Wohngebäuden der Oberschicht, Schreinen und weiteren Bauwerken.
Besonders beeindruckend fand ich den großen Ballspielplatz. Hier spielten die Maya das sogenannte Pok ta Pok, ein rituelles Ballspiel, bei dem ein schwerer Gummiball hauptsächlich mit Hüfte, Schultern und Ellbogen gespielt wurde. Ziel war es, den Ball durch steinerne Ringe zu befördern, die senkrecht an den Wänden befestigt waren. Bis heute hält sich die Geschichte, dass die Verlierer anschließend geopfert wurden. Tatsächlich sind sich Historiker jedoch nicht einig. Menschenopfer gehörten zwar zur Religion der Maya, doch es gibt keine eindeutigen Belege dafür, dass nach jedem Spiel die unterlegene Mannschaft getötet wurde. Wahrscheinlich fanden Opfer nur bei besonderen zeremoniellen Spielen statt. Trotzdem zeigt der Ballspielplatz eindrucksvoll, welche religiöse und gesellschaftliche Bedeutung dieser Sport damals hatte.
Direkt vor der Pyramide befindet sich die Plataforma de Venus. Die niedrige Plattform war dem Planeten Venus gewidmet, der für die Maya eine große religiöse und astronomische Bedeutung hatte. Sie richteten viele ihrer Bauwerke nach den Bewegungen der Himmelskörper aus und nutzten ihre Beobachtungen, um Kalender und religiöse Zeremonien zu bestimmen.

Plataforma de Venus mit El Castillo im Hintergund

Die berühmte Stufenpyramide El Castillo wird auch Tempel des Kukulcán genannt und ist weit mehr als nur ein beeindruckendes Bauwerk. Jede ihrer vier Treppen besitzt 91 Stufen. Zusammen mit der obersten Plattform ergibt das 365 Stufen und damit genau die Anzahl der Tage eines Sonnenjahres. Besonders faszinierend ist das Schauspiel zur Equinox (Tagundnachtgleiche). Immer um den 21. März und den 21. September herum Dann erzeugen Licht und Schatten den Eindruck einer Schlange, die die Treppe hinabgleitet. Dieses Phänomen gilt als Symbol für die Schlangengottheit Kukulcán und zeigt eindrucksvoll das astronomische Wissen der Maya. Zu dem Event kommer immer sehr viele Leute angereist, es ist wie das Manhattanhenge der Mayas.

Foto: Exequiel Labiano von Pexels. Die Silouette der Schlangengottheit Kukulcán welche sich den Tempel herunterschlängelt.

Nach rund drei Stunden zwischen den Ruinen und unzähligen Fotos machten wir uns wieder auf den Rückweg. Unterwegs legten wir noch einen Stopp an einer Cenote ein. Dort wartete bereits das Mittagessen, bevor wir schließlich zurück Richtung Küste fuhren.
Am Hafen begann dann noch einmal der organisatorisch wohl spannendste Teil des Tages. Mehr als 420 Gäste mussten wieder auf die Fähre nach Cozumel gebracht werden. Während die einen schon an Bord gingen, entdeckten andere noch einen schönen Fotospot am Wasser oder liefen in kleine Seitengassen. Gemeinsam mit den anderen vier Kollegen aus dem ShorEx Team versuchten wir, niemanden aus den Augen zu verlieren. Lustig wurde es, als jemand der Besatzung sagte, sie solle alle Gäste beim betreten der Fähre zählen. Nachdem schließlich alle an Bord waren, kam nur die Antwort, dass am Ende dass er dochnicht gezählt hatte. Also hofften wir einfach, dass wirklich niemand fehlte.
Die Rückfahrt war deutlich unruhiger als am Morgen. Die Fähre schaukelte sich durch hohen Wellengang und einigen Gästen wurde schlecht. Mit mehr als eineinhalb Stunden Verspätung erreichten wir schließlich wieder das Schiff.

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