Der Gatúnsee gehört zu den Orten in Panama, die man auf den ersten Blick leicht unterschätzen könnte. Dabei ist er das eigentliche Herzstück des Panamakanals. Erst durch die Aufstauung des Río Chagres Anfang des 20. Jahrhunderts entstand einer der damals größten künstlichen Seen der Welt. Ohne ihn würde der Panamakanal bis heute nicht funktionieren. Das Süßwasser des Sees hebt und senkt die Schiffe in den Schleusen und ermöglicht ihnen überhaupt erst die Überquerung der kontinentalen Wasserscheide. Gleichzeitig dient der See als Wasserreservoir für den Kanal und versorgt einen großen Teil der Bevölkerung Panamas mit Trinkwasser.
Unser Ausflug begann erneut in Colón. Von dort fuhren wir mit dem Bus zum kleinen Pier am Gatúnsee, wo bereits unser Boot auf uns wartete. Nach wenigen Minuten auf dem Wasser verschwanden die Geräusche der Stadt und wir fuhren langsam auf den Regenwald zu, der das Ufer auf der gegenüberliegenden Seite säumt.
Unterwegs entdeckten wir immer wieder Vögel, die in den Baumwipfeln saßen. Auf Affen hatte ich zwar ebenfalls gehofft, doch an diesem Tag wollten sie sich leider nicht blicken lassen. Das tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Das Wetter war traumhaft und die Sicht hervorragend. Erst mitten auf dem See wurde mir bewusst, welche gigantischen Ausmaße dieser künstliche See eigentlich hat. Die Fläche des Sees beträgt 425km² und liegt 26m über dem Meeresspiegel.
Während der Fahrt musste unser Bootsführer immer sein aufmerksam und zügig ausweichen. Der Grund dafür liegt in der Entstehung des Sees. Bevor das Gebiet überflutet wurde, befand sich hier dichter Regenwald. Viele Baumstämme ragen deshalb bis heute aus dem Wasser. Die sichtbaren Stämme sind meist kein Problem. Gefährlich sind vielmehr jene, die sich knapp unter der Wasseroberfläche befinden und kaum zu erkennen sind. Mit hoher Geschwindigkeit könnten sie für Boote erhebliche Schäden verursachen.
Natürlich musste ich die Gelegenheit nutzen und meine Drohne starten. Ganz reibungslos verlief das allerdings nicht. Direkt nach dem Start wäre sie beinahe wieder im Boot gelandet, da das Boot doch relativ zügig fuhr und die aufsteigende Drohne fast mit dem Dach kollidert wäre. Zum Glück konnte ich sie im letzten Moment nach oben jagen. Danach entstanden einige meiner Lieblingsshots des Tages. Von oben wurde noch einmal deutlich, wie riesig der Gatúnsee ist und wie harmonisch sich der dichte Regenwald mit den zahllosen kleinen Inseln in die Landschaft einfügt.
Nach der Bootsfahrt ging es weiter zu den Agua Clara Schleusen. Sie gehören zur 2016 eröffneten Erweiterung des Panamakanals und ermöglichen heute auch den deutlich größeren Neopanamax-Schiffen die Durchfahrt. Für mich war das bereits der zweite Ausflug zum Panamakanal innerhalb weniger Wochen. Zwei Wochen zuvor war ich von Colón aus mit dem Panama Canal Railway auf die andere Seite des Landes nach Panama Stadt gefahren.
Es ist immer beeindruckend den Höhenunterschied von rund 26 Metern in den Schleusen selbst mitzuerleben. Erst dabei wird deutlich, welche technische Leistung hinter dem Bau des Kanals steckt.
Gleichzeitig wird aber auch deutlich, vor welchen Herausforderungen der Panamakanal heute steht. Jede Schleusung benötigt große Mengen Süßwasser aus dem Gatúnsee. Während meines Besuchs im Jahr 2023 war der Wasserstand zwar noch vergleichsweise hoch, dennoch zeichnete sich bereits ab, dass der Kanal an seine Grenzen stößt. In Trockenzeiten kann der Gatúnsee nicht mehr genügend Wasser liefern, sodass die Zahl der täglichen Schleusungen reduziert werden muss.
Ein Schlepper manövriert den Tanker in die Schleusenkammer
Die 2016 eröffneten Agua Clara Schleusen arbeiten zwar mit Wassersparbecken (siehe hinter dem Schiff) und benötigen deutlich weniger Wasser pro Schleusung als die ursprünglichen Schleusen. Gleichzeitig können durch sie aber auch wesentlich größere Schiffe den Kanal nutzen, wodurch der Schiffsverkehr insgesamt weiter zugenommen hat. Da die Nachfrage die verfügbaren Durchfahrten häufig übersteigt, können Reedereien gegen entsprechende Gebühren bevorzugte Durchfahrtszeiten buchen und sich so einen Platz weit vorne in der Warteschlange sichern.
EDIT: Das Rekordgebot von 3,975 Mio USD für einen sofortigen Transitplatz kam von der japanischen Reederei Eneos während der Dürre im November 2023 in Panama um eine mehrtägige Wartezeit zu überspringen. Insgesamt waren die Gesamtkosten damit eher bei 4,5 Mio USD, betrachtet man noch die regulären Transitgebühren von mehreren Hunderttausend Dollar.