Bergen zwischen Regenwolken und blauem Himmel
Als zweiten Hafen auf der Tour erreichten wir Bergen. Eigentlich sollte die Reise weiter in Richtung Nordkap gehen. Ein kräftiges Unwetter mit sehr hohen Wellen, (bis zu 15m) machte diesen Plan jedoch vorerst zunichte, sodass wir ungeplant in der norwegischen Hafenstadt einen Overnight hatten.
Als wir am Morgen festmachten, nieselte es leicht. Das hielt mich aber nicht davon ab, loszuziehen und die Stadt zu erkunden. Gerade in der Vorweihnachtszeit hatte Bergen eine besondere Atmosphäre. Es waren schon einige Lichterketten aufgehängt und die kleinen Gassen wirkten trotz des grauen Wetters gemütlich.
Auf dem Weg vom Schiff zur Innenstadt läuft man automatisch durch den berühmten Stadtteil Bryggen. Die schmalen, dicht aneinandergereihten Holzhäuser mit ihren steilen Giebeln gehören zu den bekanntesten Wahrzeichen Norwegens und prägen das Stadtbild seit Jahrhunderten. Zwischen den alten Gebäuden verstecken sich heute kleine Geschäfte, Cafés und Werkstätten, die dem Viertel seinen besonderen Charme verleihen.
Zwischen zwei Regenschauern klarte der Himmel sogar kurz auf. Die Gelegenheit musste ich natürlich nutzen. In dieser regenfreien Phase entstanden einige Luftaufnahmen, auf denen Bergen mit seinen bunten Häusern, dem Hafen und den umliegenden Bergen aus einer ganz besonderen Perspektive zu sehen ist.
Am nächsten Morgen hatte ich deutlich mehr Glück mit dem Wetter. Noch vor Sonnenaufgang machte ich mich erneut auf den Weg nach Bryggen. Bei blauem Himmel und ruhigem Wasser zeigte sich die Stadt von ihrer schönsten Seite und die historischen Holzhäuser ließen sich nun wesentlich besser fotografieren als am Vortag.
Im Hafen fielen mir außerdem die riesigen Versorgungsschiffe auf. Bergen zählt neben Stavanger zu den wichtigsten Versorgungsstandorten für die norwegische Offshore Öl und Gasindustrie. Von hier aus werden zahlreiche Plattformen in der Nordsee mit Material, Personal und Ausrüstung versorgt.
Später führte mich mein Weg noch kurz über den Fischmarkt, bevor ich mit der Straßenbahn in den Stadtteil Fantoft fuhr. Dort steht die berühmte Fantoft Stabkirche. Von den ursprünglich weit über 1000 Stabkirchen, die es im mittelalterlichen Norwegen vermutlich einmal gab, sind heute nur noch 28 erhalten oder rekonstruiert.
Stabkirchen faszinieren vor allem durch ihre außergewöhnliche Bauweise. Anders als steinerne Kirchen bestehen sie fast vollständig aus Holz und werden von einem tragenden Gerüst aus senkrechten Holzpfosten, den sogenannten Stäben, getragen. Die mehrfach übereinander gestaffelten Dächer verleihen ihnen eine fast märchenhafte Silhouette und zahlreiche Schnitzereien mit Drachenköpfen und nordischen Ornamenten erinnern daran, dass hier christliche und altnordische Traditionen aufeinandertreffen. Die Fantoft Stabkirche selbst wurde ursprünglich um 1170 in Fortun errichtet, 1883 nach Bergen versetzt und nach einem Brand im Jahr 1992 originalgetreu wieder aufgebaut.
Auf dem Weg zurück zum Schiff setzte langsam die Dämmerung ein und die Lichter der Stadt spiegelten sich im Wasser des Hafens. Noch einmal betrachtete ich mit meinen Kollegen Bergen aus der Luft, während die Straßen und Häuser nach und nach zu leuchten begannen. Das war ein gelungener Abschluss für diesen ungeplanten zweiten Tag. Inzwischen ist das Unwetter auch vorbeigezogen und wir konnten unsere Fahrt zum Nordkapp fortsetzen.

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