Hongkong war eine der letzten großen Kolonien des Britischen Empire. 1997 wurde die Stadt offiziell an China übergeben. Gleichzeitig trat das Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ in Kraft. Für 50 Jahre sollte Hongkong dabei ein hohes Maß an Autonomie und ein eigenes Wirtschafts- und Rechtssystem behalten. Wie deutlich diese Trennung heute noch besteht, lässt sich allerdings nur schwer beantworten. Die Grenzen zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland sind in vielen Bereichen sichtbarer geworden. Trotzdem ist Hongkong eine ganz besondere Stadt.
Rund 7,5 Millionen Menschen leben auf dem vergleichsweise kleinen Gebiet. Kaum irgendwo sonst auf der Welt stehen so viele Hochhäuser auf so engem Raum. Die Stadt zieht sich zwischen Bergen, Inseln und dem Victoria Harbour entlang und wirkt dadurch gleichzeitig unglaublich dicht und erstaunlich weitläufig.
Hongkong ist eine Stadt, deren Skyline sich mit jedem Blickwinkel verändert. Von Kowloon schaut man auf die dicht bebauten Hänge von Hong Kong Island, während sich von Victoria Peak ein völlig anderer Blick über die Stadt eröffnet. Dazwischen verkehren die berühmten Fähren über den Victoria Harbour und verbinden die beiden Seiten der Stadt. Ich war 2026 im Rahmen der FechtWM in Hongkong. Mein letzter Besuch war 2019 und schon auf den ersten Blick fiel mir auf, dass sich die Stadt verändert hat.
Hongkong wirkt ruhiger als früher. Seit dem Inkrafttreten des National Security Law im Jahr 2020 haben sich der politische Diskurs und die politische Landschaft deutlich verändert. Auch das gesellschaftliche Leben ist davon nicht unberührt geblieben. Wie groß dieser Wandel für die Bevölkerung tatsächlich ist, lässt sich von außen allerdings nur schwer beurteilen. Trotzdem hat Hongkong seinen besonderen Charakter nicht verloren.
Dazu gehören für mich vor allem die ikonischen roten Taxis, die mindestens genauso zum Stadtbild gehören wie die gelben Taxis von New York, die berühmten Star Ferries und natürlich die unglaubliche Dichte an Wolkenkratzern. Dazu gehören für mich vor allem die ikonischen roten Taxis, die mindestens genauso zum Stadtbild gehören wie die gelben Taxis von New York, die berühmten Star Ferries und natürlich die unglaubliche Dichte an Wolkenkratzern.
Hongkongs letzte Neonlichter
Leider verschwindet gleichzeitig ein weiterer Teil des alten Hongkongs. Die berühmten Neonreklamen, die jahrzehntelang das nächtliche Stadtbild geprägt haben, werden zunehmend durch moderne LED-Schilder ersetzt. Technisch sind diese natürlich wesentlich einfacher zu betreiben. Den besonderen Charme der alten Neonröhren können sie für mich jedoch nicht ersetzen. Einige dieser alten Reklamen gibt es glücklicherweise noch.
Meine Top 4 Neonreklamen:
1. Die Neon Street Corner
2. Der Neon 7-11 in Mong Kok
3. Pak Hoi St in Kowloon
4. Direkt in der Parallelstraße gib es diese beiden Schilder (Ort)
Hongkong bietet aber natürlich noch unzählige andere Fotospots. Einer der bekanntesten ist das Yik Fat Building in Quarry Bay. Eigentlich ist es weniger ein einzelnes Gebäude als vielmehr die gesamte Umgebung, die diesen Ort so besonders macht. Die dicht an dicht stehenden Wohnhäuser vermitteln einen Eindruck davon, wie extrem kompakt Hongkong gebaut ist.
Mit der Tram durch Hongkong
Eine meiner liebsten Möglichkeiten, Hongkong zu erleben, ist allerdings wesentlich unspektakulärer.
Auf Hong Kong Island fahren noch immer die berühmten doppelstöckigen Straßenbahnen, die auf die britische Kolonialzeit zurückgehen. Die sogenannten Ding Dings gehören bis heute zum normalen öffentlichen Nahverkehr und sind gleichzeitig eine der besten Möglichkeiten, die Stadt zu erleben. Die Fahrt kostet nur wenige Hongkong-Dollar und führt mitten durch das alltägliche Leben der Stadt. Für mich ist das deutlich interessanter als eine klassische Stadtrundfahrt.
Die Bedienung der Trams ist dabei noch erstaunlich traditionell. Man steigt hinten ein, fährt ein Stück durch die Stadt und bezahlt beim Aussteigen. Bezahlt werden kann inzwischen auch kontaktlos. Gerade weil die Fahrt so günstig ist, kann man einfach einsteigen und sich treiben lassen. Die Wolkenkratzer ziehen an den Fenstern vorbei, während sich zwischen ihnen immer wieder kleine Geschäfte, Märkte und Wohnviertel auftun.
Hongkong und die Greater Bay Area
Hongkong ist außerdem längst nicht mehr isoliert zu betrachten. Die Stadt ist Teil der sogenannten Greater Bay Area, einer riesigen Wirtschaftsregion im Perlflussdelta. Dazu gehören unter anderem Hongkong, Shenzhen, Guangzhou, Dongguan, Foshan, Zhuhai und Macau.
In der gesamten Region leben inzwischen mehr als 80 Millionen Menschen. Damit gehört sie zu den größten zusammenhängenden Ballungs- und Wirtschaftsräumen der Welt. Hongkong übernimmt darin aber eine besondere Rolle. Die Stadt ist internationale Finanzmetropole und gleichzeitig eine Schnittstelle zwischen China und der internationalen Wirtschaft. Direkt hinter der Grenze beginnt Shenzhen.
Und Shenzhen ist noch einmal eine ganz andere Geschichte.
Shenzhen, die Stadt der Elektronik
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Shenzhen kaum mehr als eine kleine Stadt am Perlflussdelta. Heute gehört sie zu den wichtigsten Technologiezentren der Welt. Hier sitzen Unternehmen wie der Drohnenhersteller DJI und zahlreiche weitere Technologieunternehmen. Besonders beeindruckend ist jedoch die schiere Größe der Elektronikbranche.
Huaqiang Electronic World
Eines von vielen Kaufhäusern des Stadtteils
In Shenzhen gibt es ganze Einkaufsviertel, die sich praktisch ausschließlich mit Elektronik beschäftigen. Auf mehreren Etagen findet man Komponenten, Kabel, Kamerazubehör, Computerteile, LEDs, Werkzeuge und natürlich Smartphone-Zubehör. Es gibt Geschäfte für Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Teilweise findet man sogar komplette Kaufhäuser, die sich praktisch nur mit Handyhüllen beschäftigen.
Die Dimensionen dieser Stadt sind schwer zu begreifen.
Der Technologiepark in Shenzhen
Headquarter von DJI
Der Technologiepark in Shenzhen
Ein Roboterbarista
Ein Roboterbarista
Shenzhen ist eine dieser Städte, die man nicht wirklich verstehen kann, wenn man sie nur auf einer Karte betrachtet. Man muss selbst einmal dort gewesen sein, um zu erleben, wie groß, dicht und technisch geprägt diese Metropole tatsächlich ist. Und genau das macht die Region rund um Hongkong für mich so faszinierend.
Auf der einen Seite steht das historische Hongkong mit seinen Fähren, Trams, alten Neonreklamen und britischen Spuren. Auf der anderen Seite liegt Shenzhen mit einer Stadtlandschaft, die in weiten Teilen erst in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist. Hongkong befindet sich irgendwo dazwischen.
Eine Stadt mit einer außergewöhnlichen Vergangenheit, einer beeindruckenden Gegenwart und einer Zukunft, deren Richtung sich gerade verändert.