Venedig gehört für mich zu den Städten, die man einmal erlebt haben sollte. Kaum eine andere Stadt verbindet Geschichte, Architektur und Wasser auf eine so besondere Art. Statt Straßen gibt es Kanäle, statt Kreuzungen kleine Brücken und hinter fast jeder Ecke wartet ein neues Fotomotiv.
Ich war im Sommer 2020 für viert Tage in Venedig. Durch die Corona-Pandemie war die Stadt zu dieser Zeit ungewöhnlich leer. Gerade für Fotografen hatte das einen besonderen Reiz. Besonders die frühen Morgenstunden bieten sich an, denn dann sind die Straßen und Plätze noch weitgehend menschenleer und das Licht ist oft besonders schön.
Hier sind einige Orte und Erlebnisse, die ich bei einem Besuch in Venedig besonders empfehlen kann.
1. Den Markusplatz bei Sonnenaufgang erleben
Der Markusplatz, die Piazza San Marco, gehört natürlich zu den Orten, die man in Venedig gesehen haben muss. Besonders früh am Morgen zeigt sich der Platz allerdings von einer völlig anderen Seite.
Kurz vor Sonnenaufgang sind nur wenige Menschen unterwegs. Die ersten Gondeln bewegen sich langsam durch die Kanäle und die Gebäude rund um den Platz werden vom ersten Licht angestrahlt. Mit einem Weitwinkelobjektiv lassen sich dabei tolle Aufnahmen machen. Besonders schön sind die Perspektiven durch die zahlreichen Steinbögen, die sich hervorragend zum Einrahmen des Motivs eignen.
Auch die Basilika San Marco sollte man sich ansehen. Schon von außen ist sie mit ihren zahlreichen Details beeindruckend. Wer die Möglichkeit bekommt, sollte auch das Innere besichtigen.
Wer noch höher hinaus möchte, kann außerdem auf den Markusturm steigen. Bei meinem Besuch war der Turm leider geschlossen.
Die Basilica di San Marco
Die Basilica di San Marco
Der Markustrum eingerahmt von den Bögen des Dogenpalastes
Der Markustrum eingerahmt von den Bögen des Dogenpalastes
Der Markustrum
Der Markustrum
Der Markusplatz
Der Markusplatz
Blick auf San Giorgio Maggiore
Blick auf San Giorgio Maggiore
Blick auf die Riva degli Schiavoni
Blick auf die Riva degli Schiavoni
Schon seit Jahrhunderten gilt der Markusplatz als einer der bedeutendsten Plätze Europas. Napoleon soll ihn sogar als „schönsten Salon Europas“ bezeichnet haben. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass der Markusplatz bis heute der einzige Ort in Venedig ist, der offiziell als „Piazza“ bezeichnet wird. Alle anderen größeren Plätze der Stadt heißen „Campo“ oder „Campiello“.
2. Von der Ponte dell'Accademia auf den Canal Grande schauen
Einer meiner Lieblingsblicke auf Venedig befindet sich auf der Ponte dell'Accademia. Von hier aus öffnet sich der Blick über den Canal Grande direkt auf die Basilika Santa Maria della Salute.
Gerade zum Sonnenaufgang ist dieser Ort besonders fotogen. Das Wasser reflektiert das Morgenlicht und die Farben verändern sich innerhalb weniger Minuten. Wer früh genug dort ist, kann die Aussicht zudem genießen, bevor die ersten größeren Menschenmengen unterwegs sind.
Anschließend lohnt sich der Weg hinunter zur Santa Maria della Salute. Die imposante Barockkirche liegt direkt am Wasser und ist sowohl aus der Entfernung als auch aus der Nähe ein sehr lohnendes Fotomotiv.
Die Ponte dell’Accademia wurde 1932 als Ersatz für eine ältere Eisenbrücke errichtet. Eigentlich sollte die neue Holzbrücke nur vorübergehend bestehen bleiben. Aus dem Provisorium wurde jedoch eine dauerhafte Lösung und heute gehört die Ponte dell’Accademia zu den bekanntesten Fotomotiven Venedigs.
3. Die Rialtobrücke und den Canal Grande entdecken
Die Ponte di Rialto ist wahrscheinlich die bekannteste Brücke Venedigs. Sie überspannt den Canal Grande und befindet sich mitten im historischen Zentrum der Stadt. Anders als viele andere Brücken ist sie breit genug, dass sich auf ihr sogar zahlreiche kleine Geschäfte befinden.
Am besten besucht man die Rialtobrücke früh am Morgen. Später kann es hier extrem voll werden.
Von der Brücke aus hat man in beide Richtungen einen schönen Blick auf den Canal Grande. Besonders interessant ist es, sich etwas abseits der eigentlichen Brücke umzusehen.
Ein kleiner Fototipp ist der Blick von Norden auf die Rialtobrücke. Wenn man von Norden kommt und in die Naranzaria Gasse abbiegt und anschließend um die Ecke geht, eröffnet sich eine sehr schöner Blick auf die Brücke. Von hier wirkt sie besonders imposant.
Wer noch einen weiteren Blick von oben sucht, sollte das Einkaufszentrum Fondaco dei Tedeschi besuchen. Direkt an der Rialtobrücke gelegen, bietet die Dachterrasse einen schönen Blick über den Canal Grande und die Dächer der Stadt.
Blick von der Rialtobrücke
Blick von der Rialtobrücke
Die Sicht vom Aussichtspunkt auf dem Fondaco dei Tedeschi
Die Sicht vom Aussichtspunkt auf dem Fondaco dei Tedeschi
Die Sicht vom Aussichtspunkt auf dem Fondaco dei Tedeschi
Die Sicht vom Aussichtspunkt auf dem Fondaco dei Tedeschi
Die Sicht vom Aussichtspunkt auf dem Fondaco dei Tedeschi
Die Sicht vom Aussichtspunkt auf dem Fondaco dei Tedeschi
Gondolas an der Rialtobrücke
Gondolas an der Rialtobrücke
Die Rialtobrücke war lange Zeit die einzige feste Verbindung über den Canal Grande. Die heutige Steinbrücke wurde zwischen 1588 und 1591 nach Plänen von Antonio da Ponte errichtet. Ihre markante Konstruktion mit einem großen zentralen Bogen und den beiden kleineren Bögen an den Seiten wurde dabei nicht nur aus ästhetischen Gründen gewählt. Sie ermöglicht auch, dass der rege Schiffsverkehr den Canal Grande weiterhin passieren kann.
4. Eine Gondelfahrt durch Venedig
Eine Gondelfahrt gehört für mich zu den Dingen, die man in Venedig zumindest einmal gemacht haben sollte. Ganz günstig ist der Spaß allerdings nicht.
Während meines Besuchs hatte ich Glück und konnte über die App Yodel andere Reisende finden, mit denen ich mir eine Gondelfahrt teilen konnte. Dadurch lagen die Kosten für mich nur bei ungefähr 30 Euro.
Besonders interessant war die Geschichte unseres Gondoliere. Durch die Corona-Pandemie waren 2020 deutlich weniger Touristen in Venedig unterwegs. Er erzählte uns, dass es im Vergleich zu 2019 rund 90 Prozent weniger Besucher gegeben habe. Im Jahr zuvor habe man teilweise für eine Strecke von gerade einmal 40 Metern zu Fuß bis zu 15 Minuten gebraucht, weil sich die Menschen in den engen Gassen so gestaut hätten. Venedig so leer zu erleben, wird vermutlich eine ziemlich einmalige Erfahrung bleiben.
5. Die Libreria Acqua Alta besuchen
Eine der ungewöhnlichsten Buchhandlungen Venedigs ist die Libreria Acqua Alta. Sie unterscheidet sich deutlich von einer normalen Buchhandlung. Hier findet man zahlreiche gebrauchte und antiquarische Bücher, die teilweise auf ungewöhnliche Weise gelagert werden. Besonders bekannt ist der Laden aber auch für seine Katzen, die sich zwischen den Büchern frei bewegen.
Der Name Acqua Alta bedeutet Hochwasser und passt damit perfekt zu Venedig. Die Buchhandlung liegt direkt am Wasser und wurde auf ihre ganz eigene Weise an das Leben mit dem Hochwasser angepasst. Der Notausgang im Falle eines Feuers ist der Kanals.
Auch wenn man keine Bücher kaufen möchte, lohnt sich ein Besuch. Der Laden ist selbst schon eine kleine Sehenswürdigkeit.
6. Sich einfach treiben lassen
Eine der besten Möglichkeiten, Venedig kennenzulernen, ist eigentlich ganz simpel. Einfach loslaufen und den Plan vergessen.
Die Stadt besteht aus unzähligen kleinen Gassen, Durchgängen, Brücken und Plätzen. Wer nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten läuft, verpasst schnell viele der interessanteren Ecken.
Also ruhig einmal falsch abbiegen und sich verlaufen. Gerade dabei entdeckt man kleine Kanäle, versteckte Innenhöfe, alte Häuser und Brücken, an denen man sonst wahrscheinlich vorbeigelaufen wäre. Venedig ist schließlich nicht nur Markusplatz, Rialtobrücke und Canal Grande. Der eigentliche Charakter der Stadt zeigt sich oft in den kleinen Gassen dazwischen.
Man findet sogar Popup Maskenläden
Man findet sogar Popup Maskenläden
Venedig am besten früh erleben
Venedig hat eine beeindruckende Architektur, eine jahrhundertealte Geschichte und nicht ohne Grund den Ruf als Stadt der tausend Brücken. Für Fotografen ist die Stadt ohnehin ein riesiges Motiv.
Mein wichtigster Tipp ist deshalb, möglichst früh aufzustehen. Gerade rund um den Markusplatz, die Rialtobrücke und die Ponte dell'Accademia verändert sich die Atmosphäre innerhalb weniger Stunden komplett. Während die Stadt am Vormittag immer voller wird, kann man sie kurz vor Sonnenaufgang fast für sich allein haben. Und vielleicht ist genau das die schönste Art, Venedig kennenzulernen.

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