Im Zodiac durch die Paradise Bay
Die Paradise Bay zählt zu den schönsten Buchten der Antarktischen Halbinsel und macht ihrem Namen alle Ehre. Sie liegt südwestlich des Lemaire-Kanals, hinter Neko Harbour, und ist von hohen Bergen, gewaltigen Gletschern und Eis umgeben. Wer die Paradise Bay erreichen möchte, reist entlang der Antarktischen Halbinsel und passiert in der Regel die Umgebung des Lemaire-Kanals. Durch ihre geschützte Lage können Expeditionsschiffe, wie unsere Handeatic Spirit hier vergleichsweise häufig mit ihren Zodiacs auslaufen, sofern Wetter und Eisbedingungen es zulassen.
Während meiner Zeit als Fotograf an Bord der Hanseatic Spirit im Jahr 2026 hatte ich das Glück, die Paradise Bay auf allen drei Antarktisreisen zu besuchen. Jeder meiner Besuch war anders, doch die Faszination blieb jedes Mal dieselbe. Einmal schien die Sonne, einmal war es bewölkt und einmal schneite/regnete es.
Ein Buckelwal
Ein Buckelwal
Ein schlafender Seeleopard
Ein schlafender Seeleopard
Sieht eigentlich ganz süß aus: Ein verschlafender Seeleopard
Sieht eigentlich ganz süß aus: Ein verschlafender Seeleopard
Bereits bei der Einfahrt in die Bucht entdeckten wir Buckelwale und einen Seeleoparden, der völlig entspannt auf einer Eisscholle lag. Kaum zu glauben, dass dieses scheinbar gemütliche Tier unter Wasser zu den gefährlichsten Jägern der Antarktis gehört. Auf dem Eis ruhen sich Seeleoparden häufig aus, sparen Energie oder verdauen ihre Beute. Über Wasser wirken sie dabei oft so friedlich, dass Eselspinguine manchmal sogar dieselbe Eisscholle nutzen. Sie scheinen genau zu wissen, dass ihnen dort nichts passiert, solange der Seeleopard nicht ins Wasser geht.
Nachdem alle Zodiacs zu Wasser gelassen worden waren, begann unser Cruising durch die Bucht. Unser erster Halt führte uns zur argentinischen Brown Station. Die Forschungsstation wurde 1951 errichtet und 1984 durch ein Feuer schwer beschädigt, das der damalige Stationsarzt aus Protest gegen eine drohende Überwinterung legte. Heute wird die Station wieder saisonal genutzt. Direkt daneben lebt eine kleine Kolonie von Eselspinguinen. Leider dürfen seit der Corona-Pandemie keine Forschungsstationen mehr besucht werden. Früher waren Besichtigungen vereinzelt möglich, heute finden Anlandungen wenn dann nur noch außerhalb der Stationen statt. Wir konnten die Brown Station lediglich vom Zodiac aus betrachten.
Anschließend fuhren wir an einer kleinen Bucht vorbei, in der oft kleine private Segelyachten ankern, da sie dort gut geschützt vor den Naturgewalten der Antarktis sind.  Bei einer meiner Reisen lag dort die Malizia Explorer, das Expeditionsschiff von Boris Herrmann. Luisa Neubauer war zu der Zeit auch an Bord.
Mindestens genauso beeindruckend wie die Landschaft selbst war das Eis, das überall in der Bucht trieb. Je nach Größe und Alter leuchtete es in den unterschiedlichsten Blautönen. Manche Eisberge wirkten fast durchsichtig, andere schimmerten in einem intensiven, tiefen Blau. Zusammen mit dem spiegelglatten Wasser entstand eine Szenerie, die beinahe unwirklich wirkte.
Besonders beeindruckend waren die gewaltigen Gletscherzungen, die sich viele Kilometer weit ins Landesinnere erstrecken. Mit den Zodiacs näherten wir uns den Eiswänden vorsichtig, hielten jedoch stets einen Sicherheitsabstand von rund 200 Metern ein. Die größte Gefahr geht dabei nicht von der Welle eines abbrechenden Gletschers aus, sondern von den riesigen Eisblöcken, die unter Wasser nach oben schießen können und Eisbrocken die wie kleine Kanonenkugeln angeschossen kommen.
Ein Buckelwal taucht direkt vor uns ab
Ein Buckelwal taucht direkt vor uns ab
Weddellrobbe
Weddellrobbe
Süße Weddellrobbe
Süße Weddellrobbe
Blauaugenkormorane kümmern isch um ihr Kind
Blauaugenkormorane kümmern isch um ihr Kind
Auch die Tierwelt sorgte für unvergessliche Momente. Ein Buckelwal tauchte direkt vor unserem Boot ab und zeigte seine gewaltige Fluke. Bei einer anderen Fahrt schien er uns dagegen ein wenig auf die Folter zu spannen und verschwand immer wieder unter Wasser, ohne die Fluke zu zeigen. An einer Felsklippe gelegen, haben auch Blauaugenkormorane eine kleine Kolonie in der sie auch ihren Nachwuchs aufziehen. Eselspinguine schwimmen umher und klettern auf dem Eis herum, wohl auch um den Ausblick zu genießen. 
Zum Abschluss unserer Tour nahm unser Kapitän noch einen kleinen Umweg zwischen mehreren Eisschollen. Dort begegneten wir einigen Pinguinen und es entstanden einige meiner Lieblingsfotos der gesamten Saison. Mitten in dieser nahezu lautlosen Landschaft stießen wir anschließend mit einem Glas Champagner auf den Tag an.

Ein kleine Pärchenwanderung

Drei Pinguine auf Mission

Die Paradise Bay gehört für mich zu den beeindruckendsten Orten, die ich bisher erleben durfte. Die gewaltigen Gletscher, die absolute Ruhe und die Tierwelt schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum in Worte fassen lässt. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, an denen die Natur so unberührt wirkt. Genau deshalb hoffe ich, dass die Paradise Bay auch in Zukunft unter dem besonderen Schutz steht, den sie heute genießt.
Meine Fototipps für die Paradise Bay
Für meine Aufnahmen hatte ich immer zwei Kameras dabei. Eine Canon R3 mit dem Canon RF 100 bis 500 mm für Tiere wie Wale, Pinguine oder Seelöwen aus sicherer Entfernung und eine zweite Canon R3 mit dem Canon RF 24 bis 70 mm für die beeindruckenden Landschaften und die gewaltigen Gletscher. Die Verschlusszeit würde ich möglichst über 1/1000 Sekunde halten, um verwackelte Bilder zu vermeiden. 
Ein Polfilter kann Spiegelungen auf dem Wasser reduzieren und den Kontrast verstärken. Ersatzakkus und Speicherkarten gehören ebenfalls in jede Kameratasche. Der wichtigste Tipp ist für mich aber, die Kamera zwischendurch auch einmal wegzulegen und den Moment bewusst zu genießen. Genau an diese Augenblicke erinnere ich mich heute am meisten.

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